Mehr als die Hälfte der Schulbibliotheken im Vereinigten Königreich wurde unter Druck gesetzt, Bücher mit LGBTIQ*-Themen aus den Regalen zu verbannen, wie eine sechsmonatige Untersuchung des Index on Censorship enthüllt. Es gaben 53 % der befragten Bibliotheksfachkräfte an, entsprechende Anfragen erhalten zu haben, überwiegend initiiert von Eltern, die bestimmte Bücher als „ungeeignet“ für ihre Kinder betrachten.
Besonders betroffen sind Werke wie Juno Dawsons „This Book Is Gay“ und Jessica Loves „Julián ist eine Meerjungfrau“, die Themen wie Geschlechteridentität und sexuelle Orientierung behandeln. Eine anonyme Bibliothekskraft schildert, wie sie angewiesen wurde, sämtliche Bücher mit LGBTIQ*-Themen aus den Regalen zu räumen, nachdem sich ein einzelner Elternteil über einen bestimmten Titel beschwert hatte. Sie beschrieb die Situation als „einschüchternd“ und berichtete, dass sie nun sogar Angst habe, beliebte queere Titel wie „Heartstopper“ von Alice Oseman öffentlich zugänglich zu machen.
Diese Zensurwelle hat nicht nur emotionale Auswirkungen auf die betroffenen Bibliotheksmitarbeitenden, sondern wirft auch Fragen zur Meinungsfreiheit und dem Bildungsauftrag der Schulen auf. LGBTIQ*-Rechtsorganisationen wie Stonewall haben ihre Besorgnis über diese Entwicklungen geäußert. Ein Sprecher betonte, wie wichtig es für junge queere Menschen sei, sich in Büchern und Medien repräsentiert zu sehen. Das Entfernen dieser Bücher könnte dazu führen, dass sich betroffene Schüler*innen schämen und gezwungen fühlen, ihre Identität zu verbergen.
Dieser Trend erinnert stark an ähnliche Entwicklungen in den USA, insbesondere in konservativen Bundesstaaten wie Florida und Texas, wo strenge Gesetze gegen die Diskussion von Geschlechteridentität und Sexualität in Schulen verabschiedet wurden. Es besteht die Sorge, dass solche restriktiven Ansätze auch in Europa an Einfluss gewinnen könnten. *Quellen: Index on Censorship, The Guardian, Euronews, The Boar, Stonewall