Endlich! Gedenkkugel für lesbische Opfer der NS-Diktatur kommt

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Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hat entschieden, die Verfolgung lesbischer Frauen und Mädchen in der Zeit des Nationalsozialismus anzuerkennen. Eine Gedenkkugel soll im Rahmen des 77. Jahrestags der Befreiung im Jahr 2022 dauerhaft niedergelegt werden. Das berichtet der LesbenRing in einer Pressemitteilung.

„In Gedenken aller lesbischer Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Sie wurden verfolgt, inhaftiert, auch ermordet. Ihr seid nicht vergessen.“

Das ist die Inschrift, auf die sich die Beteiligten geeinigt haben und die Freude beim LesbenRing ist dementsprechend groß: Der LesbenRing freut sich sehr, dass die Leitung der Gedenkstätte Ravensbrück und der Vorstand der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten nun dem Antrag auf eine Gedenkkugel für die verfolgten Lesben im dritten Reich zugestimmt haben. Wir sind erleichtert, dass die unwürdige Debatte, ob Lesben je verfolgt worden seien und die jahrelange Ablehnung eines Gedenkzeichens endlich ein Ende haben. Mit der Entscheidung der Stiftung für die Gedenkkugel wird das Leid von lesbischen Frauen und Mädchen über ein dreiviertel Jahrhundert nach der Befreiung des Konzentrationslagers endlich sichtbar gemacht,“ so Marion Lüttig, Vorstandsfrau beim LesbenRing. „Seit Langem kämpfen Aktivist*innen um die Anerkennung der Verfolgung von Lesben. Lesbische Frauen und Mädchen wurden während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, inhaftiert und auch ermordet”, so Vorstandsfrau Marion Lüttig. „Sie galten durch ihre Unabhängigkeit als „entartet“ und asozial. Sie wurden psychiatrisiert, zur Prostitution in Lagern gezwungen und inhaftiert“. Es werde Zeit, den lesbischen Frauen und Mädchen einen angemessenen Ort des Gedenkens zuzugestehen und ein Gedenkzeichen dauerhaft vor Ort niederzulegen. 

„Die lesbischen NS-Opfer, die es angeblich nicht gab: Elli Smula und Margarete Rosenberg“ – von Dr. Alexander Wäldner

Versuch der Einigung auf breiten Schultern der Community

Der positiven Entscheidung war ein jahrelanger, erbitterter und teilweise unwürdiger Streit vorangegangen.

Foto: BMH/Sabine Hauf

Erst ein am 1. Oktober 2020 von der Initiative „Autonome feministische Frauen und Lesben aus Deutschland und Österreich“, dem „Bündnis der Initiativen zur Unterstützung der Gedenkkugel für die verfolgten und ermordeten lesbischen Frauen und Mädchen im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und Uckermark“, dem LesbenRing e.V., RuT Rad und Tat – Offene Initiative Lesbischer Frauen, des Lesben- und Schwulenverband (LSVD) – Bundesverband, der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld(BMH), und des Fachverbandes Homosexualität und Geschichte (FHG) geneinsam gestellter neuer Antrag zum Erfolg führte. Die wissenschaftliche Fachkommission der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hat nach ausführlichen Beratungen eine einstimmige Empfehlung zur Annahme des Antrags an die Gedenkstätte und Stiftungsleitung ausgesprochen.

„Wir danken an dieser Stelle besonders der Hartnäckigkeit der Initiative „Autonome feministische Frauen und Lesben aus Deutschland und Österreich“, namentlich Wiebke Haß, Susanne Kuntz, Maria NewaldLisa Steininger und Irmes Schwager, die mit vielen internationalen Unterstützer*innen im Rücken trotz Gegenwinds immer an der Gedenkkugel festgehalten haben.

Ebenso danken wir unserer Fachbeirätin Autorin Stephanie Kuhnen, dem Bundesvorstand des LSVD, der Historikerin Dr. Kirsten Plötzsowie der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die zusammen mit uns und der deutsch-österreichischen Initiative in den letzten eineinhalb Jahren an einem Runden Tisch an dieser lang ersehnten Lösung gearbeitet haben”, so Lüttig weiter. Und abschließend wiederholt sie eine Aussage, die in den letzten Jahren von so vielen geäußert, aber viel zu lange auf – teilweise beabsichtigt – taube Ohren stieß:

„Wie wir uns erinnern, macht viel davon aus, wie wir die Welt von heute wahrnehmen. Lesbisches* Leben ist Teil unserer Geschichte, lesbische* Stimmen müssen gehört, lesbisches* Erleben gewürdigt werden.“

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