Gegen trans* Menschen läuft eine Kampagne, die sich als Sorge tarnt: um Kinder, um Frauenräume, um die Wissenschaft. Sie hat Folgen, die sich beziffern lassen, Akteure, die man benennen kann – und Gegenmittel, die es gibt.
Was ist Transphobie, was Transmisogynie?
Transphobie meint die Ablehnung von Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht dem bei der Geburt eingetragenen Geschlecht entspricht – von der Verweigerung des Namens bis zur Gewalt. Transmisogynie beschreibt eine besondere Form davon: den Hass auf trans* Frauen. Ihnen wird gleichzeitig abgesprochen, Frauen zu sein, und zugeschrieben, eine Gefahr für Frauen zu sein. Beides zusammen ergibt keinen Sinn, wirkt aber – und trifft trans* Frauen, die zusätzlich rassistisch markiert sind, doppelt. Zur Abgrenzung der Begriffe siehe Gender, zur Verwechslung mit körperlichen Varianten Intergeschlechtlichkeit.
Wie viele Menschen sind betroffen?
Die EU-Grundrechteagentur hat 2024 europaweit erhoben, für Deutschland unter anderem rund 1.150 trans* Frauen und etwa 1.000 trans* Männer. Ergebnis: 81 Prozent der trans* Frauen, 73 Prozent der trans* Männer und 71 Prozent der nicht-binären Personen berichteten von Belästigung in den zwölf Monaten vor der Befragung. 32 Prozent der trans* Frauen waren in den fünf Jahren davor körperlich angegriffen worden. Rund zwei Drittel erlebten Diskriminierung in mindestens einem von acht Lebensbereichen (Auswertung des LSVD).
Was macht das mit der Gesundheit – und was hilft dagegen?
Dieselbe Erhebung zeigt: 26 Prozent der trans* Frauen, 28 Prozent der trans* Männer und 21 Prozent der nicht-binären Befragten haben mindestens einmal versucht, sich das Leben zu nehmen. Nach einer erlebten Hasstat berichtete mehr als die Hälfte von anschließenden psychischen Problemen. Entscheidend ist die Richtung dieses Zusammenhangs: Die Belastung kommt nicht aus der Geschlechtsidentität, sondern aus der Reaktion des Umfelds. Wo Anerkennung da ist, sinken die Werte – das ist der Ansatzpunkt, und er liegt nicht bei den Betroffenen.
Praktisch heißt das: eine queersensible Praxis suchen, statt sich in der nächsten erklären zu müssen – Listen führen die Beratungsstellen. Eine Peergruppe, in der niemand Grundlagen erklären muss, wirkt nachweislich entlastend; die Verbände vermitteln lokale Gruppen. Und Wartezeit auf Therapie überbrückt Beratung, die es sofort und kostenlos gibt. Mehr unter Psychologie und Depressionen.
Woran erinnert der Transgender Day of Remembrance?
Am Transgender Day of Remembrance werden die trans* Menschen genannt, die im vergangenen Jahr getötet wurden. Der Gedenktag fällt auf den 20. November und geht auf eine Mahnwache zurück, die die Aktivistin Gwendolyn Ann Smith 1999 für die 1998 ermordete trans* Frau Rita Hester organisierte (GLAAD). Die Zahlen liefert seit 2009 das Trans Murder Monitoring von TGEU: 281 gemeldete Morde zwischen Oktober 2024 und September 2025, insgesamt 5.322 dokumentierte Fälle. 90 Prozent der Getöteten waren trans* Frauen oder transfeminine Personen, 88 Prozent Schwarze oder Braune Menschen, ein Drittel der Fälle mit bekanntem Beruf betraf Sexarbeit. Für Europa meldet der Bericht fünf Fälle – den niedrigsten Wert seit Projektbeginn. Jede dieser Listen ist unvollständig, weil viele Fälle nicht als solche erfasst werden. In vielen Städten organisieren lokale Gruppen Gedenkveranstaltungen; Termine stehen bei den Landesverbänden und in unserem Kalender.
Wer führt die Kampagne, und mit welchen Argumenten?
Sie läuft in Parlamenten, in Zeitungskommentaren und in sozialen Netzwerken, getragen von christlich-fundamentalistischen Gruppen, von rechten Parteien und von einem kleinen, publizistisch lauten Teil des Feminismus, der sich selbst nicht so nennt. Die Argumente wiederholen sich: Schutz von Kindern, Schutz von Frauenräumen, angebliche Wissenschaftlichkeit. In Deutschland zeigte sich das an der Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz, das das alte Transsexuellengesetz mit seinen Gutachterpflichten ersetzt hat (Überblick der Bundeszentrale für politische Bildung). Zur politischen Seite Politik, zur medialen Medien.
Was kannst du im Alltag konkret tun?
Wenn der Name nicht anerkannt wird: Der Ergänzungsausweis der dgti trägt den selbst gewählten Vornamen und die Anrede und ist als zusätzliches Dokument vom Bundesinnenministerium nicht beanstandet worden. Er hilft an Schaltern, in Praxen, bei Verträgen – auch vor einer Personenstandsänderung. Antrag und Erläuterungen: ea.dgti.info.
Wenn du benachteiligt wirst: Vorfälle mit Datum, Ort und Zeug*innen notieren, am selben Tag. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berät kostenlos und vertraulich (Kontakt). Wichtig ist das Tempo: Ansprüche nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz müssen in der Regel binnen zwei Monaten geltend gemacht werden – eine Frist, die die Stelle selbst für zu kurz hält (Standpunkt der ADS). Wer zu lange abwägt, verliert den Anspruch, nicht das Recht.
Wenn du angegriffen wurdest: Anzeige ist möglich, auch später. Bei der Polizei gibt es Ansprechpersonen für queerfeindliche Straftaten; darauf lässt sich bestehen. Anlaufstellen der Community begleiten durch das Verfahren, und Opferberatungsstellen übernehmen die Papiere.
Wenn es dein Kind betrifft: Elterninitiativen und Fachinformationen bündelt trans-kinder.de – von Schulgesprächen bis zu Behördenwegen.
Service: Bundesverband Trans* · dgti-Ergänzungsausweis · Antidiskriminierungsstelle des Bundes · trans-kinder.de · Telefonseelsorge 0800 111 0 111, rund um die Uhr und kostenlos

